An den Stränden von Skagen, am nördlichsten Punkt Jütlands, kann man momentan ein besonders seltenes Naturphänomen beobachten: das geheimnisvolle blaue Leuchten, bekannt als Morild. Bei Dunkelheit glimmt das Wasser in sanft schimmernden Lichtwellen auf – eine Szenerie, die selbst erfahrene Meeresbiologen fasziniert. In Kooperation mit dem Nordsøen Oceanarium wurden vor Ort kürzlich Besucherführungen angeboten, die Einblick in das Schauspiel bieten. Morild, auf Deutsch „Meeresleuchten“, entsteht durch biolumineszente Mikroorganismen im Wasser. Bei Berührung senden sie chemische Signale, die ein blaues Licht auslösen. Besonders stark tritt das Phänomen bei ruhigem Wellengang und milden Temperaturen auf. Für Reisende von außerhalb mag es überraschen, wie regelmäßig Morild an den Küsten von Nordjütland auftritt. Wer es miterleben möchte, sollte am Abend ans Strandufer kommen. Ab etwa 22 Uhr zeigen sich erste Leuchtpunkte, die oft erst bei Bewegung mit der Hand oder beim Wellenbruch deutlich sichtbar werden. Das Nordsøen Oceanarium informiert ausführlich über Ursprung und Bedeutung der Leuchterscheinung.
Für deutsche Besucher besonders interessant: Das Phänomen ist in Mitteleuropa so gut wie nie zu sehen. Während man in Deutschland allerhöchstens an der Ostsee bei warmen Spätsommern Glück haben könnte, nehmen die dänischen Küstengewässer durch die besonderen Strömungs- und Temperaturverhältnisse regelmäßig dieses märchenhafte Blau an. Familien und Nachtschwärmer schätzen die nächtlichen Spaziergänge durch das leuchtende Wasser. Wer Skagen besucht, sollte sich einen Abendausflug an einen möglichst dunklen Strandabschnitt nicht entgehen lassen – spektakuläre Fotomotive inbegriffen.
