In Nordseeland, etwa 50 Kilometer nördlich von Kopenhagen, bestätigt eine aktuelle Untersuchung des dänischen Umweltamts Naturstyrelsen: Die 2009 ausgewilderte Biberpopulation breitet sich erfolgreich aus. Laut der Studie leben nun rund 100 Biber in der Umgebung des Arresø – eines der größten Seen des Landes. Die Forschungen, durchgeführt unter Mitwirkung der Universität Kopenhagen, belegen, dass die Biber im lokalen Ökosystem eine zentrale Rolle spielen.
Die größte Bedeutung kommt dem Nagetier durch seine Fähigkeit zu, die Landschaft aktiv zu formen: Durch das Fällen von Bäumen und den Bau von Dämmen entstehen wertvolle Biotope wie Sumpfwälder, kleine Tümpel und abgestorbene Holzbestände. Dadurch profitieren zahlreiche Pflanzen- und Tierarten, welche auf feuchte Lebensräume oder Totholz angewiesen sind. Für internationale Beobachter, insbesondere naturinteressierte Deutsche, ist die Entwicklung bemerkenswert, da auch in Deutschland die Biber-Wiedereinführung und deren Auswirkungen auf den Naturschutz ein Thema bleiben.
Der Biber hatte nach Angaben der Fachleute zuletzt vor etwa 2.500 Jahren in der Region existiert. Die erneute Aussetzung in Dänemark erfolgte, weil der Biber als „Schlüsselspezies“ gilt, deren Aktivitäten Artenvielfalt und ökologische Dynamik erhöhen. Während gelegentliche Konflikte mit Landwirten und Grundbesitzern nicht ausgeschlossen werden können, scheint das ökologische Gleichgewicht durch die gezielte Wiedereinführung nicht gestört, sondern gestärkt.
Für deutsche Besucher oder Naturfreunde bietet Nordseeland nun die seltene Möglichkeit, die Tiere und ihre Lebensräume aus nächster Nähe zu erleben. Gerade für Fachleute und Wissenschaftler bietet die Region Erfahrungen zu Renaissance und Steuerung der Biberpopulation, die Rückschlüsse auf ähnliche Projekte in Mitteleuropa erlauben. Die Studie wurde maßgeblich von Naturstyrelsen gefördert, Fallstudien aus Nordseeland könnten Anregung für weitere Renaturierungsprojekte liefern.
