Das Sea War Museum Jutland in Thyborøn widmet sich in einer bewegenden Ausstellung dem Schicksal des legendären Segelschulschiffs „København“. Das 1921 gebaute Schiff diente gleich zwei Zwecken: Es sollte auf den letzten noch profitablen Windrouten Fracht transportieren und zur Ausbildung künftiger Offiziere für die Flotte der Ostasiatischen Kompagni beitragen. Schon vor fast 100 Jahren bewarben sich jährlich mehr als 100 junge Männer um einen Platz auf dem bekannten Ausbildungsschiff. Wer aufgenommen wurde, musste gesundheitlich fit sein und strenge Voraussetzungen vorweisen – mit dem Ziel, Talente aller gesellschaftlicher Gruppen zu fördern. Ein Großteil der Besatzung, darunter Seeleute, Steuerleute, Maschinisten und Auszubildende, kam aus ganz Skandinavien und einigen Nachbarstaaten. Für viele war die Zeit an Bord eine Gelegenheit, praktische Seefahrt und internationales Miteinander zu erleben, etwas, das auch für Auszubildende in modernen europäischen Marinen noch heute als wertvoll gilt. Interessant für deutsche Besucher: Unter den damaligen Kadetten war auch ein Schüler, der in Deutschland geboren wurde – ein Hinweis auf die enge Verbindung maritimer Nachwuchsförderung in Nordeuropa zu dieser Zeit.

Das Museum zeigt Fotos der kompletten Besatzung vor dem letzten Aufbruch 1928. Darunter befinden sich bewegende Aufnahmen kurz vor der Abreise aus Buenos Aires. Viele Namen, die in der Ausstellung genannt werden, zeugen vom internationalen Charakter des Schiffes. Bei seinem letzten Segeltörn verschwand die „København“ jedoch spurlos – ihr Verbleib ist eine der großen ungelösten Geschichten der Handelsmarine. Die Ausstellung lässt diesen Aspekt anschaulich werden und weckt auch für heutige Besucher die Frage nach Risiken im internationalen Seehandel.

Das Sea War Museum ist während der Weihnachtszeit ab dem 26. Dezember geöffnet, bevor es nach dem 30. Dezember eine Winterpause bis zum 6. Februar einlegt. Besonders attraktiv: Wer am gleichen Tag das benachbarte Museum „Havets Hemmeligheder“ besucht, erhält vergünstigten Eintritt. Gerade für deutsche Touristen im dänischen Westjütland bietet sich so die seltene Gelegenheit, lokale Geschichte und internationale Verflechtungen der Schifffahrt auf eindrucksvolle Weise zu erfahren.