Am Mittwoch, den 5. Februar, findet im Lemvig Bibliotek ein außergewöhnlicher Vortrag statt, der sowohl die regionale als auch überregionale Aufmerksamkeit verdient: Zwischen 19:00 und 21:00 Uhr spricht Johanne Mygind über die Verstrickung ihrer eigenen Familie in die Geschichte von Cheminova und die noch immer präsente Umweltbelastung durch die Giftdepots am Høfde 42, nahe Thyborøn. Dieses Thema bleibt nicht nur für Dänemark relevant, sondern wirft auch für Nachbarländer Fragen nach Umweltverantwortung und generationsübergreifendem Umgang mit Industrierisiken auf.
Johanne Mygind nimmt in ihrem Vortrag Bezug auf ihre kommende Romanveröffentlichung „Giftig“, in der sie ein sehr persönliches Licht auf die Umweltskandale der Vergangenheit wirft. Ihr Großvater war Direktor bei Cheminova – einem Unternehmen, das durch die jahrzehntelange Ablagerung hochgiftiger Abfälle nationale Bekanntheit erlangte. Besonders hervorzuheben sind die Depots am Høfde 42, wo die Altlasten immer wieder für Diskussionen über sichere Entsorgung und spätes Verantwortungsbewusstsein sorgen. Für die Zuhörer in Deutschland ist diese Erzählung besonders relevant, weil das grundsätzliche Problem der industriellen Altlasten und deren Folgen im europäischen Kontext nach wie vor präsent ist und grenzübergreifend Fragen zu Haftung und Generationengerechtigkeit aufwirft.
Im Rahmen des Vortrags werden bisher unveröffentlichte Fotos aus den Familienarchiven gezeigt. Zudem thematisiert Mygind das kollektive Schweigen und die Bemühungen, Geschichte aufzuarbeiten – auch wenn dies schmerzhaft für die Beteiligten ist. Wer die aktuelle TV2-Serie „Giften i sandet“ verfolgt hat, darf gespannt sein auf die persönliche Perspektive, die hier ergänzt wird. Die Veranstaltung kostet 100 dänische Kronen; der Eintritt setzt den Erwerb eines Tickets voraus.
Dieser Abend in Lemvig liefert Denkanstöße zu den Auswirkungen persönlicher Entscheidungen in einem industriellen Kontext und stellt klar, warum das Erzählen und Reflektieren über Vergangenes zentral bleibt – auch und gerade in Zeiten zunehmender Umweltdebatten.
