Es gibt Orte in Dänemark, die wirken, als hätte jemand die Zivilisation einfach vergessen. Wo der Wind ungebremst über Dünenrücken fegt, wo Kiefernwälder sich trotzig gegen den Sand stemmen und wo der nächste Mensch manchmal so weit weg ist, dass du dich fragst, ob du versehentlich in einem anderen Jahrhundert gelandet bist. Willkommen im Nationalpark Thy — Dänemarks erstem Nationalpark und einem der wildesten Flecken Nordeuropas.

Der Nationalpark liegt an der Westküste Jütlands, zwischen Thyborøn im Süden und Hanstholm im Norden, und erstreckt sich über rund 244 Quadratkilometer. Das klingt erstmal nach einer Zahl, aber stell es dir so vor: Das ist mehr als die Fläche von Düsseldorf. Nur halt ohne Düsseldorf. Stattdessen findest du hier die größten Dünenheide-Landschaften Dänemarks, kristallklare Dünenseen, moosbewachsene Kiefernplantagen und eine Küstenlinie, an der die Nordsee zeigt, dass sie sich von niemandem etwas sagen lässt. Die Dänen nennen diese Gegend liebevoll Den Jyske Vestkyst (Die Jütländische Westküste) — und sie meinen das mit einer Mischung aus Stolz und gesundem Respekt.

Ob du wandern, Rad fahren, Vögel beobachten oder einfach mal ganz still dastehen und dem Wind zuhören willst — Nationalpark Thy ist der richtige Ort dafür. Dieser Artikel gibt dir alles an die Hand, was du für deinen Besuch brauchst: Routen, Regeln, Ausrüstung und die dänischen Begriffe, die dir unterwegs begegnen werden. Also: Windjacke an, Thermoskanne füllen, los geht's.

💡 Gut zu wissen

Nationalpark Thy wurde 2008 als erster dänischer Nationalpark eingeweiht. Er umfasst ein Gebiet von rund 244 km² — davon etwa 55 km Küstenlinie. Der Eintritt ist kostenlos, der Park ist das ganze Jahr über frei zugänglich. Es gibt keine Schranken, keine Kassenhäuschen, keine Eintrittsbändchen. Einfach hingehen. Typisch dänisch eben.


🌊 Was den Nationalpark Thy so besonders macht

Dänemark ist nicht gerade für seine Wildnis bekannt. Eher für ordentliche Ferienhäuser, akkurat gepflegte Radwege und Strände, auf denen man mit dem Auto fahren darf. Nationalpark Thy bricht mit diesem Bild. Hier hat sich eine Landschaft erhalten, die seit der letzten Eiszeit kaum von Menschenhand verändert wurde — jedenfalls in den Kernzonen. Die Wanderdünen bewegen sich noch immer nach ihrem eigenen Rhythmus, die Heideflächen blühen im August in tiefem Lila, und an manchen Stellen wachsen Pflanzen, die es sonst nirgendwo in Dänemark gibt.

Der Park wurde international als sogenannter Dark Sky Park zertifiziert. Das bedeutet: So wenig Lichtverschmutzung, dass du hier nachts die Milchstraße mit bloßem Auge sehen kannst. Wenn du aus einer deutschen Großstadt kommst, wird dich das umhauen. Die Dänen haben sogar extra darauf geachtet, in der Region keine unnötige Beleuchtung aufzustellen. Stell dir das mal in Deutschland vor — man hätte erstmal einen Ausschuss gegründet.

Weite Dünenlandschaft an der Nordseeküste von Thy, windgepeitschter Strandhafer, dramatischer Himmel
Weite Dünenlandschaft an der Nordseeküste von Thy, windgepeitschter Strandhafer, dramatischer Himmel

Der Name Thy (ausgesprochen ungefähr wie „Tü" mit kurzem Vokal) bezeichnet die historische Region an der nordwestlichen Spitze Jütlands. In der Wikingerzeit war Thy ein eigenständiger ting (Versammlungsbezirk), und die Bewohner galten als besonders zäh und eigensinnig. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert — wer hier lebt, hat gelernt, mit dem Wind zu leben statt gegen ihn zu kämpfen.

🏖️ Surfer-Tipp

Der Küstenabschnitt bei Klitmøller — von den Einheimischen und der internationalen Surf-Szene schlicht Cold Hawaii genannt — gehört zu den besten Surf-Spots Nordeuropas. Die Wellen an der Nordseeküste von Thy sind konstant und kräftig. Wenn du kein Surfer bist, ist es trotzdem ein Erlebnis, vom Strand aus zuzuschauen.


🌿 Dünen, Heide, Seen — die Landschaften im Überblick

Nationalpark Thy besteht nicht aus einer einzigen Landschaft, sondern aus einem Mosaik verschiedener Lebensräume, die sich auf engem Raum abwechseln. Wer morgens durch Dünen wandert, steht mittags in einem dichten Kiefernwald und sitzt nachmittags an einem stillen Dünensee. Diese Vielfalt macht den Park so besonders — und so wanderbar.

🗺️ Landschaften im Nationalpark Thy
Landschaftstyp Dänischer Begriff Wo im Park Besonderheiten
Wanderdünen Vandreklitter Küstenstreifen, besonders bei Stenbjerg und Lyngby Bis zu 20 m hoch, bewegen sich nach Osten
Dünenheide Klithede Hinter den Dünen, großflächig Größte zusammenhängende Klithede Dänemarks, lila Blüte im August
Dünenseen Klitsøer Nors Sø, Vandet Sø, weitere kleine Seen Kalkarm, kristallklar, zum Teil Badeerlaubnis
Küsten-Kiefernwald Klitplantage Tved Klitplantage, Vilsbøl Klitplantage u.a. Im 19. Jh. gegen Sandverwehung gepflanzt, heute artenreich
Steilküste Klinten Hanstholm-Gebiet Kalksteinklippen mit Vogelbrutplätzen
Salzwiesen / Strandenge Strandenge Mündungsbereiche Salztolerante Flora, Watvogelrastplatz

Die Klithede (Dünenheide) ist das Herz des Parks. Diese baumlosen Flächen, bewachsen mit Heidekraut (lyng), Krähenbeere und Gräsern, gibt es so fast nirgendwo sonst in Dänemark. Im Frühsommer leuchten sie grün, im August verwandeln sie sich in ein Meer aus Violett. Dazwischen ragen vereinzelt die knorrigen Silhouetten windschiefer Bäume empor — sie sehen aus wie Figuren aus einem Trollmärchen.

Die Klitsøer (Dünenseen) sind eine geologische Besonderheit: Sie liegen in Senken zwischen den Dünenrücken und werden ausschließlich von Regenwasser gespeist. Das Wasser ist so nährstoffarm und klar, dass du an manchen Stellen problemlos den Boden in drei Metern Tiefe sehen kannst. Am Nors Sø und am Vandet Sø gibt es ausgewiesene Badestellen — aber Vorsicht: Ohne Windschutz kann der Badespaß selbst im Sommer erfrischend kurz ausfallen.

💡 Klitplantage — was ist das eigentlich?

Die Klitplantager (Dünenplantagen) sind Kiefern- und Fichtenwälder, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts gezielt gepflanzt wurden, um die Wanderdünen zu stoppen. Ohne diese Bäume hätte der Sand ganze Dörfer unter sich begraben. Heute sind die Plantagen dichte, moosige Wälder voller Pilze, Rehe und Ruhe. Der Duft nach Kiefernharz an einem warmen Sommertag ist allein den Besuch wert.


🥾 Die besten Wanderrouten und Radwege

Nationalpark Thy ist durchzogen von markierten Wander- und Radwegen. Das Routennetz ist gut ausgebaut, die Beschilderung folgt dem dänischen Standard mit farbigen Markierungspfählen. Die meisten Routen starten an einem der Parkplätze entlang der Küste. Hier eine Übersicht der besten Optionen — sortiert nach Schwierigkeit und Länge.

Wanderrouten

Der große Star unter den Wanderwegen ist der Vestkyststien (Westküstenpfad). Dieser Fernwanderweg verläuft entlang der gesamten dänischen Nordseeküste und führt auch mitten durch den Nationalpark. Du musst natürlich nicht die volle Strecke laufen — einzelne Etappen von 8–15 km sind perfekte Tagestouren.

🥾 Beliebte Wanderrouten im Nationalpark Thy
Route Länge Schwierigkeit Highlights Start
Stenbjerg Rundtur ca. 5 km Leicht Fischerdorf Stenbjerg, Dünenübergang, Strand Parkplatz Stenbjerg Landingsplads
Nors Sø Rundweg ca. 9 km Leicht bis mittel Dünensee, Vogelbeobachtung, Moor Parkplatz Nors Sø
Tved Klitplantage ca. 6–12 km (variabel) Leicht Kiefernwald, Pilze, Shelter-Plätze Parkplatz Tved
Vestkyststien: Hanstholm → Klitmøller ca. 15 km Mittel Klippen, Leuchtturm, Cold Hawaii Hanstholm Fyr (Leuchtturm)
Lodbjerg Fyr Rundtur ca. 8 km Leicht bis mittel Leuchtturm, weite Heideflächen, Sandverwehungen Parkplatz Lodbjerg
Agger Tangen ca. 10 km Mittel (Sand!) Nehrung, Vogelgebiet, absolute Einsamkeit Parkplatz Agger

⚠️ Sand ist kein Asphalt

Viele Wege im Nationalpark führen über weichen Sand oder sandigen Untergrund. Das ist anstrengender als es klingt — rechne mit etwa dem 1,5-fachen der Zeit, die du auf befestigten Wegen brauchen würdest. Feste, knöchelhohe Wanderschuhe sind dringend empfohlen. Flip-Flops in den Dünen sind keine gute Idee (es sei denn, du genießt es, Sand an Stellen zu haben, an die Sand nicht gehört).

Radwege

Die nationale Radroute Nr. 1 (Vestkystruten) führt durch die Region. Innerhalb des Parks gibt es zudem lokale Radrouten auf befestigten Schotterwegen, die auch für Trekkingräder geeignet sind. Für schmale Rennradreifen ist die Gegend weniger ideal — wer ein Gravel-Bike hat, ist hier im Paradies. Unseren ausführlichen Radfahren-Artikel findest du hier.


🦌 Tierwelt — Vögel, Rotwild und Kreuzottern

Nationalpark Thy ist kein Zoo. Die Tiere hier sind wild, scheu und genau so, wie Tiere sein sollten. Aber mit etwas Geduld und dem richtigen Timing bekommst du hier Naturerlebnisse, die in Dänemark ihresgleichen suchen.

Rotwild (kronhjort): In den Klitplantagen und auf den offenen Heideflächen lebt eine der größten Rotwild-Populationen Dänemarks. Die beste Chance auf eine Sichtung hast du in der Brunftzeit im September und Oktober — frühmorgens oder in der Abenddämmerung. Dann hörst du auch das Röhren der Hirsche, das über die Heide hallt. Ein unvergessliches Erlebnis.

Vogelwelt: Thy ist ein Vogelparadies. An den Seen und Strandenge rasten Zugvögel auf dem Weg zwischen Skandinavien und Afrika. Die Klippen bei Hanstholm beherbergen eine der größten Dreizehenmöwen-Kolonien Dänemarks. Außerdem kannst du unter anderem Seeadler (havørn), Kornweihen, Brachvögel und mit Glück sogar den scheuen Kranich (trane) beobachten. An den Dünenseen nisten Haubentaucher und Rohrdommeln.

🏖️ Fernglas ist Pflicht

Wenn du Tiere beobachten willst, pack ein Fernglas ein. Ein 8x42 oder 10x42 reicht völlig. Die Tiere in Thy sind nicht zahm — du kommst selten näher als 100–200 Meter heran. Am Nors Sø gibt es Vogelbeobachtungshütten (fugleskjul), von denen aus du die Seebewohner in Ruhe beobachten kannst, ohne sie zu stören.

Kreuzotter (hugorm): Ja, in Thy gibt es Kreuzottern. Sie sind Dänemarks einzige Giftschlange und kommen in den Heideflächen und an sonnigen Waldrändern vor. Keine Panik — Kreuzottern sind extrem scheu und verschwinden, sobald sie dich kommen hören. Aber: Schau hin, wohin du trittst, besonders an warmen Tagen zwischen April und September, wenn sie sich auf sandigen Pfaden sonnen. Festes Schuhwerk (schon wieder!) ist der beste Schutz.

Wer sich für Seehunde interessiert: An der Küste von Thy kannst du mit etwas Glück Seehunde und Kegelrobben auf Sandbänken beobachten — halte immer mindestens 150 Meter Abstand.


🎒 Praktische Tipps und Ausrüstung

Nationalpark Thy ist kein Hochgebirge, aber es ist auch kein Stadtpark. Die Kombination aus Wind, Sand, wechselhaftem Wetter und fehlender Infrastruktur in den Kernzonen bedeutet: Du solltest vorbereitet sein. Hier eine konkrete Checkliste für deinen Tag im Park.

Schritt-für-Schritt: So planst du einen Wandertag in Thy

  1. Route wählen: Entscheide dich anhand der Tabelle oben für eine Route. Für den ersten Besuch empfiehlt sich die Stenbjerg Rundtur (kurz, vielfältig, leicht) oder der Nors Sø Rundweg (etwas länger, landschaftlich grandios).
  2. Wetter checken: Schau morgens auf die Vorhersage. An der Westküste kann sich das Wetter innerhalb einer Stunde komplett ändern. Regel: Wenn die Vorhersage "Sonne" sagt, nimm trotzdem eine Regenjacke mit.
  3. Auto parken: Fahre zum markierten Parkplatz deiner gewählten Route. Parken ist kostenlos. Wertsachen im Auto nicht sichtbar liegen lassen.
  4. Infotafel lesen: An jedem Ausgangspunkt steht eine Infotafel (informationstavle) mit Karte und aktuellen Hinweisen. Dort findest du auch, ob Wege gesperrt sind (kommt in der Brutzeit vor).
  5. Loslaufen: Folge den farbigen Markierungspfählen. Gelb = Wanderweg, Blau = Radweg. An Kreuzungen stehen Wegweiser mit Entfernungsangaben.
  6. Pausen einplanen: Es gibt an einigen Stellen shelters (überdachte Rastplätze) und Bänke. An den Seen gibt es vereinzelt Picknicktische.
  7. Müll mitnehmen: Im Park gibt es kaum Mülleimer. Alles, was du mitbringst, nimmst du auch wieder mit. Die Dänen nennen das rydde op efter sig (hinter sich aufräumen) — und nehmen es sehr ernst.

✅ Packliste für einen Tag im Nationalpark Thy

  • Feste, knöchelhohe Wanderschuhe (Sand und unebener Boden!)
  • Wind- und wasserdichte Jacke (auch im Sommer!)
  • Mütze oder Buff gegen den Wind
  • Sonnencreme — der Wind täuscht, die UV-Strahlung nicht
  • Mindestens 1,5 Liter Wasser pro Person (es gibt keine Trinkbrunnen)
  • Belegte Brote / Snacks (es gibt keine Kioske im Park)
  • Fernglas für Vogelbeobachtung
  • Smartphone mit Offline-Karte (Mobilfunkempfang ist lückenhaft!)
  • Müllbeutel für den eigenen Abfall
  • Optional: Badesachen für die Dünenseen im Sommer
  • Optional: Stativ + Kamera für Naturfotografie

⚠️ Kein Mobilfunkempfang!

In vielen Teilen des Nationalparks ist der Mobilfunkempfang schwach oder gar nicht vorhanden. Lade dir vorher eine Offline-Karte herunter (z.B. über Google Maps oder eine Wander-App). Falls du allein wanderst, sage jemandem Bescheid, welche Route du planst und wann du zurück sein willst. Das ist kein Alarmismus — das ist gesunder Menschenverstand an einem Ort ohne Handynetz.


📋 Regeln im Nationalpark — was du darfst und was nicht

Nationalpark Thy ist frei zugänglich, aber das heißt nicht, dass alles erlaubt ist. Die Regeln sind vergleichbar mit anderen dänischen Naturgebieten — aber ein paar Besonderheiten gibt es, die du kennen solltest.

📋 Was ist erlaubt, was nicht?
Aktivität Erlaubt? Hinweise
Wandern auf markierten Wegen ✅ Ja Immer auf den Wegen bleiben, besonders in Brutgebieten
Radfahren ✅ Ja Nur auf markierten Radwegen und Schotterstraßen
Baden in Dünenseen ✅ Ja Nur an ausgewiesenen Badestellen
Hund mitbringen ✅ Ja Immer an der Leine (max. 2 m), auch abseits der Wege. Keine Ausnahme!
Offenes Feuer / Grillen ❌ Nein Nur an ausgewiesenen Feuerstellen (bålpladser)
Zelten / Übernachten ⚠️ Eingeschränkt Nur in ausgewiesenen Shelters und Zeltplätzen
Pflanzen pflücken ❌ Nein Geschützte Flora — nichts ausreißen oder mitnehmen
Pilze sammeln ✅ Ja In den Klitplantagen für den Eigenbedarf erlaubt
Drohnen fliegen ❌ Nein Grundsätzlich verboten im Nationalpark
Reiten ✅ Ja Nur auf markierten Reitwegen

Für alle, die mit Hund unterwegs sind: Die Leinenpflicht im Nationalpark gilt ganzjährig und überall. Das ist keine Empfehlung, sondern Vorschrift. In der Brutzeit (1. März bis 15. Juli) sind manche Gebiete zusätzlich für den Zutritt gesperrt — achte auf die Schilder (adgang forbudt = Zutritt verboten). Einen hundefreundlichen Startpunkt findest du bei uns ebenfalls.

💡 Shelter — kostenlos übernachten in der Wildnis

Im Nationalpark gibt es mehrere shelters — einfache, überdachte Holzunterstände mit Platz für 2–4 Personen. Die meisten sind kostenlos und funktionieren nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, schläft zuerst". Daneben steht oft eine bålplads (Feuerstelle) und eine Komposttoilette. Luxus sieht anders aus, aber das Naturerlebnis ist unbezahlbar. Tipp: Im Sommer können die Shelter-Plätze voll sein — plane eine Alternative ein.


☀️ Beste Jahreszeit und was das Wetter so treibt

Die ehrliche Antwort: Es gibt keine schlechte Jahreszeit für Nationalpark Thy. Es gibt nur Jahreszeiten, in denen du unterschiedlich viel Kleidung brauchst. Jede Saison hat ihren eigenen Reiz — hier die Übersicht:

Frühling (März–Mai): Die Heide erwacht, die ersten Zugvögel kommen zurück, und die Dünen sind noch menschenleer. Temperaturen zwischen 5 und 15 Grad, häufig windig. Ideal für Wanderer, die Einsamkeit suchen. Auch die Rapsblüte im Hinterland ist im Mai einen Abstecher wert.

Sommer (Juni–August): Die beliebteste Zeit. Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad, lange Tage mit Licht bis nach 22 Uhr. Perfekt zum Baden in den Dünenseen, Surfen bei Klitmøller und für lange Wanderungen. Aber: Auch die Zeit mit den meisten Besuchern — wobei „viele Besucher" in Thy immer noch bedeutet, dass du auf einer 10-km-Wanderung vielleicht zehn andere Menschen triffst.

Herbst (September–November): Die Brunftzeit der Rothirsche, spektakuläre Sturmfronten über dem Meer, die Heide wechselt die Farbe. Temperaturen 5–15 Grad, oft stürmisch. Die atmosphärischste Jahreszeit. Bring eine extra-warme Schicht mit — und vielleicht Ohrstöpsel, falls du in einem Shelter schläfst und der Sturm über das Dach pfeift.

Winter (Dezember–Februar): Kalt (um den Gefrierpunkt bis 5 Grad), dunkel und oft stürmisch. Aber auch: unglaublich dramatisch. Riesige Wellen an der Küste, Sternenhimmel in den langen Nächten (Dark Sky Park!), und absolute Stille. Nur für erfahrene Wanderer empfohlen, aber wer sich traut, wird belohnt.

🏖️ Sternenhimmel im Dark Sky Park

Die besten Nächte für Sternenbeobachtung sind zwischen September und März, wenn die Nächte lang und die Luft klar ist. Fahre zu einem der Parkplätze abseits der Ortschaften (z.B. Lodbjerg), schalte alle Lichter aus und warte 15–20 Minuten, bis sich deine Augen angepasst haben. Bei klarem Himmel siehst du die Milchstraße, Sternschnuppen und je nach Jahreszeit sogar schwache Nordlichter. Eine Isomatte zum Drauflegen macht die Sache deutlich bequemer als das Genick-nach-hinten-Verrenken.


🚗 Anfahrt, Parken und Ausgangspunkte

Nationalpark Thy liegt im Nordwesten Jütlands. Von der deutsch-dänischen Grenze bei Flensburg sind es je nach Zielpunkt im Park etwa 3–4 Stunden Autofahrt. Wer von Süddänemark kommt (z.B. Billund), braucht rund 2–2,5 Stunden.

Mit dem Auto

Die wichtigste Zufahrtsstraße ist die Route 11 (Thisted → Hanstholm) bzw. Route 181 von Süden. Von der Autobahn E45 Richtung Aalborg geht es westlich über Thisted in den Park. Thisted ist die größte Stadt in der Region und dein letzter Halt für Einkäufe, Tanken und alles, was du noch brauchst. Aktuelle Verkehrsinfos für Dänemark findest du übrigens bei uns.

💡 Besucherzentren

Das Nationalpark-Besucherzentrum in Vorupør (Nationalpark Thy — Besøgscenter) ist ein guter erster Anlaufpunkt. Dort findest du Karten, Ausstellungen zur Natur des Parks und freundliche Ranger, die dir Routenempfehlungen geben. Auch das Besucherzentrum Svaneholmhus bei Vestervig ist einen Besuch wert — und hundefreundlich.

Parken im Nationalpark

Entlang der Küste und an den wichtigen Einstiegspunkten gibt es kostenlose Parkplätze. Die wichtigsten:

  • Stenbjerg Landingsplads — historisches Fischerdorf, toller Dünenübergang
  • Nors Sø — Ausgangspunkt für den See-Rundweg und Vogelbeobachtung
  • Hanstholm Fyr — am Leuchtturm, Start für Klippenwanderungen
  • Lodbjerg Fyr — mitten in der Einsamkeit, Heidewanderungen
  • Klitmøller — Surfen und Strandwanderungen Richtung Hanstholm
  • Agger — Zugang zur Nehrung Agger Tangen im Süden
  • Vorupør — Fischerdorf mit Besucherzentrum und Strandaufgang

Alle Parkplätze sind kostenlos und ohne Zeitbegrenzung. Es gibt keine Parkscheinautomaten. Einfach abstellen und los. Falls du vor der Fahrt tanken willst, lohnt sich ein Blick auf unseren Tankpreisvergleich.

⚠️ Nicht auf den Strand fahren!

Anders als an einigen anderen Abschnitten der Nordseeküste ist das Befahren der Strände im Nationalpark Thy mit dem Auto nicht erlaubt. Die Strände sind Naturschutzgebiet. Wer trotzdem fährt, riskiert ein Bußgeld — und den Zorn der dänischen Naturschutzbehörde, was ehrlich gesagt schlimmer ist als das Bußgeld.

Die Umgebung erkunden

Rund um den Nationalpark gibt es einiges zu entdecken. Thyborøn im Süden hat einen sehenswerten Fischereihafen und die beeindruckenden Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg. Thisted bietet Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants. Und wer mit Kindern unterwegs ist, findet an der Naturkraft bei Ringkøbing ein interaktives Natur-Erlebniscenter, das auch an Regentagen funktioniert.


🏁 Fazit: Wildnis auf Dänisch

Nationalpark Thy ist ein Ort, der dich überraschen wird — besonders, wenn du Dänemark bisher vor allem mit gepflegten Sommerhäusern und Hotdog-Buden verbunden hast. Hier oben im Nordwesten Jütlands zeigt das Land seine wilde Seite: endlose Dünenlandschaften, menschenleere Heideflächen, kristallklare Seen und eine Küste, an der die Nordsee den Takt vorgibt. Es ist kein Ort für Leute, die ständig etwas tun müssen — aber ein perfekter Ort für alle, die einfach mal sein wollen.

Pack feste Schuhe ein, eine winddichte Jacke, genug Wasser und einen offenen Geist. Nimm dir eine Route vor, lass das Handy in der Tasche (es hat eh keinen Empfang) und lass dich von einer Landschaft beeindrucken, die hier schon seit tausenden von Jahren wartet. Und wenn du abends in deinem Ferienhaus sitzt, die Füße hochlegst und den Sand aus deinen Schuhen schüttest — dann weißt du, dass es ein guter Tag war. God tur — gute Tour!

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