Wer in den letzten Tagen durch das Zentrum von Thisted spaziert ist, dürfte am Håndværker Torv kaum vorbeigekommen sein, ohne die auffällige Dekoration zu bemerken: Unzählige bunte Pompons zieren Plätze, Bäume und Bushaltestellen. Diese liebevollen Details wurden von den engagierten Bewohnern des Hauses C aus dem Pflegewohnheim Bjergbo angefertigt. Die Initiative entstand bereits im Frühjahr, als die Bewohnenden mit der aufwändigen Produktion der bunten Kugeln begannen. Zunächst wurden das Wohnheim selbst, der markante Kastanienbaum davor und sogar das nahegelegene Bushäuschen künstlerisch verschönert.

Der Anlass für den neuen Deko-Schub: Der für Thisted angekündigte Besuch des dänischen Königspaars. Die geplante Karrenroute, die durch die Stadt führt, sollte zur royalen Ehrung besonders herausgeputzt werden. Selbstverständlich wollten die Bewohner von Bjergbo einen Beitrag leisten und hängten deshalb zusätzliche Pompons entlang der festgelegten Strecke auf, um Thisted für dieses nationale Ereignis auf besondere Weise zu schmücken.

Für viele Einheimische sind solche Aktionen ein Beispiel gelungener Nachbarschaft und zeigen, wie generationenübergreifendes Engagement eine ganz Stadt verschönern kann. Auch aus Sicht deutscher Gäste oder Beobachter liegt der Mehrwert vor allem in dem authentischen Gemeinschaftsgefühl, das deutlich vermittelt wird. Besonders zu königlichen Ereignissen ist Dänemark für seine liebevoll gestalteten Traditionen bekannt; dennoch stammt dieses Beispiel bürgerlicher Eigeninitiative nicht von staatlicher Stelle, sondern kommt direkt von Menschen, die ihre Heimat aktiv mitgestalten wollen.

Während der Königspaar-Besuch für viele eine reine Zuschauerrolle bedeutet, ergreifen in Thisted Einwohner selbst das Wort – oder in diesem Fall: die Bastelschere –, um vorbildhaft lokale Identität und Willkommenskultur zu zeigen. Mit Nachahmungspotenzial auch für andere europäische Städte.