In Frederikshavn, einer Hafenstadt im Norden Jütlands, trifft sich jeden Dienstag eine Gruppe engagierter ehrenamtlicher Näherinnen – sieben an der Zahl – um Kleidung für das traditionsreiche Fest Tordenskioldsdage herzustellen. Die Veranstaltung erinnert jährlich an das Jahr 1717, und hunderte von Darstellerinnen und Darstellern tragen detailgetreu rekonstruierte Uniformen, Kleider und Kindermode. Wenn Besucher am Hafen die prunkvollen Kostüme bewundern, sind dies handgefertigte Einzelstücke, die mit viel Liebe und Sachverstand entstanden sind, und nicht etwa schnelle Käufe aus Kostümverleihen.

In ihrer Werkstatt am Hafen näht das Team nicht nur neue Uniformen, sondern repariert und pflegt auch die bestehenden Bestände. Besonders erwähnenswert ist dabei die jüngste Großbestellung des Krigsmuseet in Kopenhagen, dem Militärmuseum des Nationalmuseums. Noch im Juni ist die Lieferung von fünf speziellen Uniformen geplant, darunter Rekonstruktionen von Tordenskiolds Uniformen und einer Offiziersjacke aus dem Oldenburger Infanterieregiment.

Auch für Besucher des Museums gibt es einen besonderen Anreiz: Die originalgetreu rekonstruierten Uniformen werden in der Ausstellung getragen oder anprobiert – weshalb nach Jahren intensiver Nutzung Ersatz hermusste. Darüber hinaus werden Kindergruppen und ganze Schulklassen für Festumzüge ausgestattet—allein letztes Jahr wurden dafür 110 Kostüme aus recycelten Stoffen gefertigt.

Der Finanzierungsspielraum für das Tordenskioldsfest ist begrenzt, weshalb in der Werkstatt vor allem auf Wiederverwertung gesetzt wird. Alte Vorhänge, Stoffreste oder gespendete Musterstücke aus Kollektionen verwandeln sich mit Raffinesse in festliche Kleider und Uniformen. Wer also hochwertigen Stoff übrig hat, kann einen wertvollen Beitrag zur Traditionspflege in Frederikshavn leisten.

Mit der kürzlich erweiterten Werkstatt ist Platz für neue Ehrenamtliche geschaffen worden. Die Motivation der Näherinnen zeigt sich nicht nur in der Qualität ihrer Arbeit, sondern ebenso in der Freude und dem Gemeinschaftsgefühl, das in der Werkstatt herrscht. Der Stolz, dass eigene Anfertigungen künftig im Nationalmuseum zu sehen sein werden, ist groß und unterstreicht die Bedeutung lokal verankerter Handwerkskunst, deren Ergebnisse jährlich von hunderten Gästen bestaunt werden.