Im Sea War Museum Jutland sorgt ein jahrzehntealtes Rätsel momentan erneut für Aufmerksamkeit: Zwei lokale Taucher haben bei einem Wrackfund vor Tristan da Cunha im Südatlantik zwei auffällige Metallbuchstaben geborgen, die den Experten des Museums große Hoffnung geben. Es handelt sich um einen „O“- und einen „D“-Buchstaben aus einer Messing-Kupfer-Legierung mit Schraublöchern, jeweils etwa 16,5 Zentimeter breit und 21 Zentimeter hoch. Die Vermutung liegt nahe, dass sie vom berühmten dänischen Segelschulschiff „København“ stammen könnten, das seit 1929 als verschollen gilt.

Das Schulschiff „København“ war seinerzeit eines der größten Segelschiffe und ein Stolz der dänischen Handelsmarine. Auf seiner letzten Fahrt im Dezember 1928 verschwand es spurlos mit 60 Personen an Bord. Seither ranken sich viele Spekulationen und Theorien um das Schicksal von Mannschaft und Schiff, das offiziell als einer der größten ungeklärten Verluste der zivilen Schifffahrt gilt.

Das Museum hofft nun, durch die beiden neu entdeckten Buchstaben Licht in das dunkle Kapitel zu bringen. Es besteht die Möglichkeit, dass es sich um Teilstücke des Schiffsnamens oder des Rufzeichens handelt, die einst an gut sichtbarer Stelle am Rumpf montiert waren. Da sich bisher auf historischen Aufnahmen aus den eigenen Archiven keine eindeutigen Hinweise finden ließen, ruft das Museum zur Unterstützung auf: Wer noch private Fotografien oder Erinnerungsstücke zum Skoleskibet „København“ besitzt – etwa aus Erbstücken oder familiären Nachlässen aus der Zeit – wird gebeten, diese zu sichten. Jedes neue Foto könnte helfen, die Herkunft der Buchstaben abschließend zu klären.

Für deutsche Leser ist der Fall besonders interessant, weil die Geschichte des Schiffs zwischen den Weltkriegen auch in Norddeutschland stets Aufmerksamkeit fand. Die Hintergründe und Auswirkungen des Verschwindens prägten über Jahrzehnte die maritime Forschung auch außerhalb Dänemarks. Die aktuellen Untersuchungen vor Tristan da Cunha könnten also ein internationales Rätsel lösen helfen und sind ein spannendes Beispiel für grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Kulturgüterschutz.