In der Nacht von Donnerstag auf Freitag (5./6. Februar 2026) ist vor der Küste von Blåvandshuk ein rund 14 Meter langer Pottwal-Bulle gestrandet. Das Tier liegt auf einer Sandbank, etwa einen Kilometer vor dem Strand – und was danach geschah, macht fassungslos.
Unser Kontakt Maik Abramowski – vielen Dänemark-Urlaubern besser bekannt als Maik Graf von Leonstein vom beliebten Laden KreAtiv Blåvand – lebt direkt vor Ort und hat uns exklusiv über die Ereignisse berichtet. Er ist einer von nur 165 Einwohnern des kleinen Ortes am westlichsten Punkt Dänemarks und verfolgt das Geschehen rund um den gestrandeten Wal hautnah.
🐋 Was ist passiert?
Der tote Pottwal-Bulle wurde bei Ebbe etwa einen Kilometer vor der Küste nahe des berühmten Leuchtturms Blåvandshuk sichtbar. Mit einer geschätzten Länge von rund 14 Metern handelt es sich um ein männliches Tier – bei Pottwalen können Bullen sogar über 20 Meter groß werden. Warum genau dieser Wal in die flachen Gewässer der Nordsee geriet und dort verendete, ist noch nicht geklärt.
Die dänische Naturschutzbehörde Naturstyrelsen hat den Fund bestätigt. Skovfoged Henrik Lykke Sørensen erklärte gegenüber dänischen Medien, dass die Behörden den Kadaver im Auge behalten. Auch das Fiskeri- og Søfartsmuseum (Fischerei- und Seefahrtsmuseum) in Esbjerg ist involviert. Eine Bergung gestaltet sich derzeit allerdings schwierig, da der Wal auf der Sandbank weit draußen liegt.
⚠️ Kinder auf dem Wal – bitte nicht!
Was sich am Samstag abspielte, sorgt bei Einheimischen für Kopfschütteln und Entsetzen: Mehrere Familien wurden dabei beobachtet, wie sie bei Ebbe zu dem Kadaver wateten und ihre Kinder auf den toten Wal setzten, um Fotos zu machen. Was sich nach einem spektakulären Urlaubsfoto anhört, ist nicht nur respektlos, sondern auch potenziell gefährlich.
⚠️ Wichtiger Hinweis: Abstand halten!
Ein gestrandeter Wal kann Krankheitserreger tragen, die auf den Menschen übertragbar sind. Zudem können sich im Inneren des Kadavers durch Verwesungsgase gefährliche Druckverhältnisse aufbauen – im schlimmsten Fall kann ein Walkadaver regelrecht „explodieren“. Bitte halte daher immer ausreichend Abstand zu gestrandeten Meeressäugern und setze auf keinen Fall Kinder darauf!
🔪 Unterkiefer abgesägt – Jagd auf wertvolles Elfenbein
Doch damit nicht genug: In der Nacht von Samstag auf Sonntag (7./8. Februar) haben Unbekannte dem Pottwal einen Teil des Unterkiefers abgesägt. Das Ziel: die wertvollen Elfenbein-Zähne des Tieres. Ein Pottwal besitzt im Unterkiefer rund 40 bis 60 kegelförmige Zähne, die bis zu 25 Zentimeter lang werden und über ein Kilo wiegen können. Auf dem Schwarzmarkt sind diese Zähne heiß begehrt.
Was viele nicht wissen: Pottwale sind durch nationale und internationale Gesetze streng geschützt. Es ist strafbar, sich in irgendeiner Form an den Tieren zu bereichern – egal ob lebendig oder tot. Das gilt auch für das Entnehmen von Zähnen oder anderen Körperteilen. Die Fotos, die uns von diesem Vorfall vorliegen, zeigen das erschreckende Ausmaß der Verstümmelung deutlich.
Dieses Problem ist leider nicht neu: Bereits bei früheren Pottwal-Strandungen in der Nordsee – etwa 2016 an der schleswig-holsteinischen Küste – musste festgestellt werden, dass Unbekannte Zähne aus den Unterkiefern abgesägt hatten, noch bevor die Wissenschaftler mit ihrer Arbeit beginnen konnten.
📌 Korrektur: Das ist NICHT der Wal aus Ålbæk
An dieser Stelle möchten wir einen Fehler richtigstellen: In einem früheren Beitrag auf Dänemark.Guide hatten wir fälschlicherweise berichtet, dass der Pottwal von Ålbæk (Nordjütland) nach Blåvand gebracht worden sei. Das war falsch – und wir bitten dafür um Entschuldigung. Maik Abramowski hat uns darauf aufmerksam gemacht und klargestellt: Es handelt sich um zwei völlig verschiedene Tiere. Der bei Ålbæk gestrandete Pottwal wurde separat obduziert und ist nicht nach Blåvand transportiert worden.
Dass innerhalb weniger Tage gleich zwei Pottwale an Dänemarks Küsten stranden, ist allerdings bemerkenswert. Zehn Jahre lang gab es keine einzige Pottwalstrandung in Dänemark – und nun gleich zwei Fälle hintereinander. Umso wichtiger ist eine saubere Berichterstattung, und wir danken Maik für den Hinweis.
🏛️ Was sagen die Experten?
Charlotte Bie Thøstesen vom Fiskeri- og Søfartsmuseum in Esbjerg bezeichnet die Gewässer vor der dänischen Westküste als eine regelrechte „Falle“ für Pottwale. Die Nordsee ist mit durchschnittlich nur rund 90 Metern Tiefe für die Tiefsee-Spezialisten viel zu flach. Pottwale orientieren sich akustisch und können sich in den seichten Gewässern schlecht zurechtfinden – ihr Echoortungssystem, das auf Tiefen von über 1.000 Metern ausgelegt ist, versagt hier schlicht.
Die Tiere – in der Regel junge, noch nicht geschlechtsreife Bullen – verirren sich auf ihrer Wanderung von den arktischen Gewässern Richtung Süden in die Nordsee, anstatt westlich der Britischen Inseln zu schwimmen. Einmal in der Nordsee angekommen, finden sie weder genug Nahrung noch den Weg zurück und stranden schließlich an den flachen Küsten.
🌊 Warum stranden Pottwale in der Nordsee?
Pottwalstrandungen in der Nordsee sind kein neues Phänomen – seit dem 16. Jahrhundert sind über 200 Fälle dokumentiert. Die Tiere gehören zum sogenannten Azorenbestand. Die männlichen Tiere wandern im Winter vom Nordatlantik Richtung Süden und folgen dabei normalerweise dem Kontinentalhang entlang der norwegischen und schottischen Küste. Biegen sie jedoch zu früh ab, geraten sie in die für sie tödlich flache Nordsee.
Anfang 2016 strandeten innerhalb weniger Wochen sogar 30 Pottwale in der südlichen Nordsee – an den Küsten Großbritanniens, der Niederlande, Deutschlands und Dänemarks. Bei der Untersuchung fanden Wissenschaftler teilweise große Mengen Plastikmüll in den Mägen der Tiere. Obwohl der Müll nicht die Todesursache war, zeigt er die Belastung der Meere deutlich.
📸 Bilder vom Wal in Blåvand
Die folgenden Bilder wurden uns freundlicherweise von Maik Abramowski und Carsten Lai zur Verfügung gestellt. Sie zeigen den gestrandeten Pottwal vor Blåvandshuk sowie die erschreckenden Spuren der Vandalen am Unterkiefer.
💡 Unser Kontakt vor Ort: Maik Graf von Leonstein
Maik Abramowski – unter seinem Künstlernamen Maik Graf von Leonstein bekannt – ist 2020 von Dortmund nach Blåvand ausgewandert und betreibt dort den wunderbaren Kunstladen KreAtiv Blåvand. In seinem Laden dreht sich alles um Bernstein und Treibholz, und in der Hochsaison begeistert er mit seinem Dortmunder Puppentheater kleine und große Besucher – auf Deutsch und Dänisch.
Maik hat außerdem das Kinderbuch „Mikkel und das geheime Leben der Nisse“ geschrieben, das in und um Blåvand spielt. Zusammen mit seiner Partnerin Nancy lebt er den Traum vieler Dänemark-Fans: ein Leben am westlichsten Punkt Dänemarks, dort wo andere Urlaub machen.
Wir freuen uns sehr, mit Maik einen direkten Kontakt in Blåvand zu haben und danken ihm herzlich für die schnelle Berichterstattung und die Bereitstellung der Fotos. Die Bilder des abgesägten Unterkiefers stammen von Carsten Lai.
🐋 Was tun, wenn du einen gestrandeten Wal findest?
Abstand halten! Nähere dich niemals einem gestrandeten Meeressäuger. Auch tote Wale können durch Verwesungsgase gefährlich werden. Die Tiere können zudem Krankheitserreger tragen.
Behörden informieren: In Dänemark kannst du die Naturstyrelsen oder die örtliche Polizei kontaktieren. Die Experten kümmern sich um Bergung und wissenschaftliche Untersuchung.
Nicht anfassen, nichts mitnehmen: Pottwale und alle ihre Bestandteile (Zähne, Knochen etc.) sind gesetzlich geschützt. Das Entnehmen von Teilen ist strafbar.
Quellen & weiterführende Links
- Exklusiver Vor-Ort-Bericht von Maik Abramowski (KreAtiv Blåvand), 8. Februar 2026
- Fotos: Maik Abramowski und Carsten Lai
- nordisch.info: Erneut Pottwal in Dänemark gestrandet
- KreAtiv Blåvand – Maik Graf von Leonstein
