Im westlichen Jütland, nahe Blåvand, lockt das Tirpitz-Museum derzeit mit einer ungewöhnlichen Entdeckung: Auf den historischen Bauplänen der deutschen Verteidigungsstellung ‚Batterie Vogelnest‘, einem Teil des Atlantikwalls, findet sich die Zeichnung eines sogenannten Nisse – einer Hauswichtel-Figur aus der nordischen Folklore.

Dieser architektonische Fundstück regt zum Nachdenken an: Während der Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg wurden solche Bunker von deutschen Soldaten unter enormem Aufwand errichtet. Unbemerkt von offizieller Seite hat ein Zeichner offenbar einen kleinen Wichtel unter das Dach der Skizzen gekrabbelt – ob als Zeichen von Humor, Rebellion oder Aberglauben, bleibt offen.

Die Nisse spielen in den dänischen Sagen eine wichtige Rolle als Schutzgeister der Häuser, anspruchsvoll, aber hilfsbereit, wenn ihnen regelmäßig süßer Haferbrei als Dank gereicht wird. Wird dies versäumt, so droht Unheil – etwa saure Milch oder gar Brände auf dem Hof.

Für Besucher ist der Fund ein reizvolles Suchspiel: Im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung ‚Efter krigen‘ können Interessierte den gezeichneten Nisse selbst im Originalplan entdecken – sofern sie genau hinschauen. Die Ausstellung bietet damit nicht nur militärhistorische Fakten, sondern auch einen Einblick in die dänische Kultur- und Volkskunde.

Praktisch für Familien: Das Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren erhalten freien Eintritt in Begleitung eines Erwachsenen – eine seltene Gelegenheit, dänische Geschichte gemeinsam zu erleben und spielerisch den Bunker-Geist zu suchen.

Für deutsche Besucher bietet sich die Ausstellung als spannende Ergänzung zum klassischen Dänemark-Urlaub an, denn sie beleuchtet ungewöhnliche Verbindungen zwischen Alltagskultur, Aberglauben und Geschichte. Besucher, die auf der Suche nach einer besonderen Perspektive auf den Atlantikwall sind, finden hier einen unerwarteten Zugang.