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📷 MortenCopenhagen / Google Places
📖 Über Statens Museum for Kunst (Dänische Nationalgalerie) – SMK
Stell Dir vor, Du betrittst einen Ort, an dem sieben Jahrhunderte Kunstgeschichte in einem einzigen Atemzug versammelt sind – von flämischen Meistern über dänische Goldenes-Zeitalter-Gemälde bis hin zu zeitgenössischen Installationen, die Dich zum Nachdenken oder zumindest zum Stirnrunzeln bringen. Das Statens Museum for Kunst, kurz SMK, ist Dänemarks größtes Kunstmuseum und offiziell das „Hauptmuseum" für Bildende Kunst im Land. Kein anderes Museum in Dänemark zeigt eine so reiche und vielfältige Kunstauswahl – und das an einem Ort, der selbst schon ein Kunstwerk ist. Wenn Du also glaubtest, Kopenhagen sei nur Nyhavn und kleine Meerjungfrauen, dann hat das SMK einen anderen Vorschlag für Dich. Einen sehr überzeugenden.Geschichte & Hintergrund
Die Geschichte des SMK beginnt dort, wo viele gute Geschichten beginnen: beim Königshaus. Die Sammlungen entstammen dem Kunstkammer der dänischen Monarchen, und als der Deutsche Gerhard Morell um 1750 zum Hüter von Friedrichs V. Kunstkammer wurde, hatte er eine zündende Idee: Er schlug dem König vor, eine repräsentative Gemäldesammlung aufzubauen, die den anderen europäischen Königshäusern ebenbürtig sein sollte. Der König kaufte daraufhin fleißig ein – vor allem italienische, niederländische und deutsche Gemälde. Der bedeutendste Ankauf dieser Ära war übrigens „Christus als leidender Erlöser" von Andrea Mantegna. Keine schlechte Eröffnung für eine Privatsammlung. Mit der Einführung der Demokratie in Dänemark Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die königliche Kunstsammlung dem Volk übergeben – 1843 öffnete sie erstmals für die Öffentlichkeit. Das war ein großzügiger Schritt, den man dem Königshaus bis heute dankt (zumindest stillschweigend vor den Gemälden). Als dann das Christiansborg-Schloss, in dem die Sammlung untergebracht war, 1884 niederbrannte, brauchte die Kunst ein neues Zuhause. Das Ergebnis: ein prächtiges Museumsgebäude, entworfen von den Architekten Vilhelm Dahlerup und G. E. W. Møller, erbaut zwischen 1889 und 1896 im historistischen Italienischen Renaissancestil. Eröffnet wurde es in den Jahren 1896 oder 1897 – die Quellen sind sich da leicht uneinig, aber angesichts der Kunstpracht im Innern sei dieser eine Jahr Toleranz erlaubt. 1928 erlebte das Museum einen weiteren Glücksfall: Der verstorbene Sammler Johannes Rump vermachte dem SMK seine moderne französische Kunstsammlung mit Werken von Matisse, Picasso, Derain und Braque. Pikantes Detail am Rande: Als Rump die Sammlung 1923 dem Museum anbot, lehnte der damalige Direktor Karl Madsen sie ab – er hielt sie nicht für qualitativ hochwertig genug. Heute gilt sie als einer der größten Schätze des Hauses. Kunstgeschmack ist eben manchmal eine Frage des Zeitpunkts. 1998 folgte ein moderner Erweiterungsbau vom Architekturbüro C. F. Møller, der die umfangreiche zeitgenössische Sammlung beherbergt.Besonderheiten & Highlights
Was macht das SMK so besonders? Nun, abgesehen davon, dass es das größte Kunstmuseum Dänemarks ist und sieben Jahrhunderte Kunstgeschichte unter einem Dach vereint: Es gibt drei Hauptsammlungen, von denen jede für sich allein einen Besuch rechtfertigen würde.- Die Königliche Malerei- und Skulpturensammlung umfasst rund 2.600 Werke von 1300 bis heute – mit einem besonderen Schwerpunkt auf dänischer und nordischer Kunst von 1750 bis 1900, darunter zahlreiche Werke aus dem Goldenen Zeitalter der dänischen Malerei.
- Die Königliche Kupferstichsammlung ist mit über 240.000 Werken eine der beeindruckendsten ihrer Art: Kupferstiche, Zeichnungen, Radierungen, Aquarelle, Lithografien und weitere Arbeiten auf Papier, vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
- Die Königliche Abgusssammlung befindet sich im Westindischen Lagerhaus an der Toldbodgade 40 und besteht aus über 2.000 Gipsabgüssen von Statuen und Reliefs aus aller Welt – von der Antike bis zur Renaissance. Nackt und eindrucksvoll in Gips, sozusagen.
Dein Besuch vor Ort
Das SMK ist kein Museum, das Du in einer Stunde abhakst – hier solltest Du Dir mindestens zwei bis vier Stunden einplanen, besser mehr, wenn Du wirklich in die Sammlung eintauchen möchtest. Das Museum bietet neben den Ausstellungen auch Führungen für Erwachsene und Kinder, kreative Werkstätten, Filmvorführungen, Konzerte, Art Talks und Performances. Es ist also kein stilles Kontemplationsmuseum, sondern ein lebendiger Kulturort. Für Familien mit Kindern gibt es das „Atelier des Enfants", wo der Nachwuchs in Mal-, Zeichen- und Collage-Workshops seiner Kreativität freien Lauf lassen kann – verfügbar an Wochenenden und in den Schulferien. Direkt vor dem Museum wartet zudem ein großer Spielplatz. Eltern können also abwechselnd Kunst genießen und Kinder beaufsichtigen, was man als gelungenes Gleichgewicht bezeichnen darf. Das Museumscafé MAGNOLIA ist nach den großen alten Magnolien im Østre Anlæg benannt, die das SMK vom Erdgeschoss aus direkt im Blick hat. Es wurde vom international anerkannten Künstler Danh Vo gestaltet, der klassische dänische Möbelkunst mit Designs aus Italien und Japan kombiniert hat. Das Café ist übrigens für alle zugänglich – auch ohne Museumseintritt. Es gibt außerdem einen gut sortierten Museumsshop mit Kunstbüchern, dänischen Designartikeln, Schreibwaren und einzigartigen Souvenirs. Fotografieren ist im SMK ausdrücklich erwünscht – ohne Blitz und ohne Stativ. Wer also seinen Instagramfeed mit Weltklasse-Kunst bereichern möchte, ist herzlich eingeladen. Das Museum weist allerdings darauf hin, dass Kunstwerke erst 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers gemeinfrei werden – also Vorsicht bei den neueren Werken. Das SMK fungiert außerdem als autorisierte Touristeninformation mit mehrsprachigem Personal. Das heißt: Du kannst hier nicht nur Kunst schauen, sondern auch gleich Deinen restlichen Kopenhagen-Aufenthalt planen lassen. Praktisch. Im gesamten Museum steht kostenloses WLAN zur Verfügung, und das Gebäude ist vollständig rollstuhlgerecht mit Rampen, Aufzügen und barrierefreien Toiletten. Hunde sind in den Außenbereichen des SMK herzlich willkommen – dürfen jedoch nicht ins Museum mitgebracht werden. Der angrenzende Østre Anlæg-Park bietet aber einen wunderschönen Rahmen für Spaziergänge mit dem vierbeinigen Begleiter, während Du anschließend allein die Kunst genießt.📌 Kuriositäten & Fun Facts
- Die abgelehnte Meistersammlung: 1923 bot Johannes Rump dem SMK seine Sammlung mit Werken von Matisse, Picasso & Co. an. Direktor Karl Madsen lehnte ab – nicht gut genug, befand er. 1928 erbte das Museum die Sammlung trotzdem. Madsen hatte da das Zeitliche gesegnet und konnte seinen Fehler nicht mehr korrigieren.
- Vom Königsbesitz zum Volkseigentum: Die Sammlung gehörte einst den dänischen Königen. Heute gehört sie der dänischen Bevölkerung. Das ist Demokratie in ihrer schönsten Form.
- Digitaler Vorreiter: 2016 gründete das SMK mit Unterstützung der Nordea-Stiftung das Projekt SMK Open – eine Online-Datenbank, die 2019 veröffentlicht wurde und rund 99 % der Sammlung digital zugänglich macht, die sonst nicht öffentlich zu sehen ist.
- Preisgekrönt: Das Projekt SMK Open gewann 2020 den Red Dot Award und wurde 2021 mit dem Webby ausgezeichnet. Das Museum ist also nicht nur im Analogen, sondern auch im Digitalen Weltklasse.
- Junges Publikum: Das SMK weist unter den dänischen Kunstmuseen den höchsten Anteil junger Besucher zwischen 14 und 29 Jahren auf – 55 % der Gäste fallen in diese Altersgruppe. Wer also dachte, Museen seien nur etwas für Ältere, liegt hier falsch.
- SMK Thy – Kunst am Rand der Welt: 2025 eröffnete das SMK eine Außenstelle in Thy, die sich gezielt an Menschen richtet, die selten nach Kopenhagen kommen. Dort werden Landschaftsbilder aus der eigenen Sammlung über eine Zeitspanne von rund 700 Jahren gezeigt.
- Zukunft 2027–2029: Neue Sammlungspräsentationen sollen in drei Phasen eröffnen und größere Teile der Sammlung schrittweise zugänglich machen – gemeinsam mit dem Architekturbüro Lundgaard & Tranberg Arkitekter wird das Museum dabei von innen neu gedacht.
💡 Wertvolle Zusatzinformationen
- Zugänglichkeit: Das SMK liegt an der Sølvgade am Rand des Parks Østre Anlæg – nur etwa fünf Minuten vom Bahnhof Nørreport entfernt. Die Buslinien 23 und 6A halten direkt gegenüber. Østerport- und Nørreport-Bahnhöfe sind 10–15 Gehminuten entfernt. Besonders empfehlenswert ist der Fußweg durch einen der umliegenden Parks – schöner als die stark befahrenen Straßen der Innenstadt.
- Empfohlene Besuchsdauer: Mindestens zwei bis vier Stunden – eher mehr, wenn Du wirklich in die Sammlungen eintauchen möchtest. Mittwochs gibt es verlängerte Abendöffnungszeiten, was ein entspannteres Erlebnis ermöglicht.
- Besondere Hinweise: Kinder unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Einmal im Monat – am ersten Freitag, nachmittags bis abends – findet ein „SMK Friday" statt, bei dem das Museum mit Musik, Tanz, Performances, Talks und Film aufwartet. Außerdem gibt es sechsmal jährlich solche Abende. Mit dem Copenhagen Card ist der Eintritt kostenlos. Das Café MAGNOLIA kann auch ohne Museumseintritt besucht werden.
- Kombitipp: Direkt gegenüber liegt der kostenlose Botanische Garten – ideal für eine Pause zwischen den Ausstellungen. Direkt hinter dem Museum im Østre Anlæg-Park befindet sich die Hirschsprung-Sammlung mit fast 2.000 dänischen Kunstwerken von 1800 bis 1910. Für moderne Kunst lohnt sich außerdem ein Ausflug zum Louisiana Museum of Modern Art, etwa 35 Minuten nördlich von Kopenhagen.
Das SMK ist kein Museum, das man besucht – es ist eines, das man erlebt. Ob Du Dich stundenlang in die flämischen Meister vertiefst, vor einem Matisse stehst und endlich verstehst, warum ihn alle so lieben, oder einfach im MAGNOLIA-Café sitzt und auf die Magnolien im Park blickst: Das Statens Museum for Kunst hat eine seltsam angenehme Wirkung auf Menschen. Es macht Lust auf mehr Kunst, mehr Kopenhagen und – ganz ehrlich – auch auf die Frage, warum man nicht viel früher hierhergekommen ist.
