In den kommenden Wochen werden Besucher und Anwohner rund um Thisted mehrere laute Detonationen in den Wäldern der Region wahrnehmen. Dies ist Teil gezielter Maßnahmen der dänischen Naturschutzbehörde Naturstyrelsen Thy, die mit Sprengungen in ausgewählten Forsten – darunter der Hvidbjerg Plantage am 9. Dezember, der Østerild Plantage am 16. Dezember sowie der Vandet Plantage am 6. Januar – Lebensräume für unterschiedlichste Tier- und Pflanzenarten schaffen will.

Im Gegensatz zur herkömmlichen Forstbewirtschaftung werden hierbei gezielt Bäume mit Sprengstoff beschädigt oder getötet. Der Fachbegriff dafür ist „Veteranisierung“. Durch diese Methode entstehen neue Strukturen an Bäumen: Risse, Höhlen, Totholz und offene Flächen, die Pilzen, Insekten, Fledermäusen und Vögeln als Lebensraum oder Nahrungsquelle dienen. Was auf den ersten Blick radikal wirkt, hat sich international in naturnahen Waldprojekten bewährt. Dabei imitiert man natürliche Schädigungen, wie sie etwa durch Sturm, Blitzschlag oder Krankheiten verursacht werden.

Für deutsche Besucher, die die Thy-Region oder den Nationalpark besuchen, hat dies den Vorteil, ökologische Prozesse hautnah miterleben zu können. Die Maßnahmen dienen nicht nur einem größeren Artenreichtum, sondern auch der Forschung und Umweltbildung. Mit Informationstafeln vor Ort wird auf die laufenden Arbeiten und die Bedeutung hingewiesen. Ordnungs- oder Sicherheitsmaßnahmen werden jeweils lokal angekündigt, ein größeres Risiko besteht für Erholungssuchende jedoch nicht. Die Freigabe der Flächen erfolgt nach Abschluss der Maßnahmen meist zeitnah.

Der Ansatz folgt dem wachsenden europäischen Trend, mehr Naturdynamik und Wildnis zurück in kulturgeprägte Wälder zu bringen. Naturfreunde aus Deutschland, die Waldschutzprojekte vergleichen oder Inspiration aus naturnaher Forstwirtschaft suchen, finden hier praktische Beispiele für die Förderung biologischer Vielfalt. Experten empfehlen während der Sprengintervalle allerdings, die markierten Bereiche zu meiden.