Es gibt diesen einen Moment im Dänemark-Urlaub, der sich bei vielen ins Gedächtnis brennt: Man sitzt abends auf der Terrasse vom Ferienhaus, die Sonne verschwindet gerade hinter den Dünen, und im Glas schwappt etwas Dunkelrotes, Süßes, das nach reifen Kirschen und einem Hauch Marzipan schmeckt. Kirsebærvin (Kirschwein) – für viele schmeckt genau das nach Dänemark.
Kein Wunder also, dass unzählige Urlauber jedes Jahr zurückkommen und den Wein suchen, den sie im Sommer entdeckt haben. Lange Zeit war er ein kleines Geheimnis: Es gab ihn quasi nur bei Aldi in Dänemark, weshalb er manch einem als "der Aldi-Kirschwein" in Erinnerung geblieben ist. Inzwischen steht er in vielen dänischen Supermärkten – und die Nachfrage aus Deutschland ist so groß, dass man ihn mittlerweile sogar hierzulande bestellen kann.
In diesem Artikel klären wir, was hinter dem süßen Klassiker steckt. Du erfährst, woher die berühmte dänische Kirsche kommt, warum ausgerechnet dieser einfache Fruchtwein so viele Fans hat – und was auf dem Rückenetikett steht, das kaum jemand liest. Die Antwort auf die Frage "steckt da überhaupt Kirsche drin?" ist nämlich interessanter als ein simples Ja oder Nein.
💡 Wie spricht man das aus?
Kirsebærvin klingt in etwa wie "Kirsse-bär-wihn". Das æ ist ein offenes "ä", und das v spricht man wie ein deutsches "w". Wörtlich übersetzt heißt es schlicht "Kirschbeerwein" – kirsebær ist das dänische Wort für Kirsche.
🍒 Was ist Kirsebærvin überhaupt?
Kirsebærvin heißt übersetzt schlicht "Kirschwein". Damit gehört er zur Familie der Frugtvin (Fruchtwein) – also Wein, der aus Früchten und Beeren statt aus Weintrauben gemacht wird. In Dänemark hat das eine lange Tradition, denn das Land galt jahrhundertelang als zu kühl für klassischen Weinbau. Also nahm man, was der Norden hergab: vor allem Äpfel und Sauerkirschen.
Der klassische Kirsebærvin, den du im Urlaub findest, ist ein süßer Dessert- oder Aperitifwein. Er ist tiefdunkelrot, vollmundig und schmeckt deutlich nach reifen Kirschen, oft mit einer feinen Mandel- oder Marzipannote im Hintergrund. Die Standardflasche fasst 75 cl und hat 14 % vol. Dänische Supermärkte führen ihn häufig in der Kategorie hedvin – Likörwein.
💡 Warum "Frugtvin" und nicht einfach "Wein"?
Nur ein Getränk aus Weintrauben darf sich schlicht "Wein" nennen. Alles, was aus anderen Früchten vergoren wird, läuft offiziell als Fruchtwein. Auf dänischen Etiketten steht deshalb oft Dansk Frugtvin (dänischer Fruchtwein) – so auch auf der bekannten Flasche, die viele aus dem Supermarkt kennen.
Steckt wirklich Kirsche drin?
Ja – aber anders, als die meisten vermuten. Und man muss die Flasche umdrehen, um es zu erfahren.
Auf dem Rückenetikett steht es wörtlich: Der Kirsebærvin sei "nach alter Tradition" hergestellt, aus echtem Kirschkonzentrat, dem eine neutrale Fruchtweinbasis zugesetzt wurde, um den bekannten Geschmack zu bewahren.
Übersetzt heißt das: Vergoren wird nicht die Kirsche. Vergoren wird eine neutrale Fruchtweinbasis – irgendeine geschmacksarme Frucht, üblicherweise Apfel. Die Kirsche kommt anschließend als Konzentrat dazu. Es ist echtes Kirschkonzentrat, kein Aroma-Imitat. Aber es ist eben auch keine vergorene Kirsche.
💡 Frederiksdal hatte recht
Das Weingut Frederiksdal, das ausschließlich Kirschen vergärt, sagt seit Jahren über die Konkurrenz: Andere Kirschweine würden auf einer anderen Fruchtweinbasis vergoren und danach mit Kirschsaft versetzt. Das klang nach Marketing eines Mitbewerbers. Das Rückenetikett gibt ihm recht – nahezu wörtlich.
Darf so etwas überhaupt "Kirschwein" heißen? Ja, und zwar ausdrücklich. Die dänische Lebensmittelbehörde Fødevarestyrelsen hat in ihrer Kennzeichnungsleitlinie festgehalten, dass die Bezeichnung "Kirsebærvin" auch für ein Produkt zulässig ist, bei dem die Gärung auf einer anderen Frucht als Kirsche stattgefunden hat – solange aus der Zutatenliste hervorgeht, dass Kirschsaft enthalten ist. Genau dieser Fall liegt hier vor.
Was sonst noch drinsteckt
Das Rückenetikett listet weiter: einen Säureregulator (Citronensäure), Aroma sowie die Farbstoffe E102, E122, E133 und E150d. Dazu der Hinweis "enthält Sulfite".
| Angabe | Was das bedeutet |
|---|---|
| Kirschkonzentrat | Echtes Kirschkonzentrat – die Kirsche ist also real vorhanden |
| Neutrale Fruchtweinbasis | Der vergorene Anteil stammt von einer anderen, geschmacksneutralen Frucht |
| Citronensäure | Säureregulator, sorgt für die frische Säure |
| Aroma | Zugesetzter Geschmacksträger. Die Marzipannote muss also nicht aus Kirschkernen stammen |
| 🎨 Die Farbe kommt aus dem Farbtopf, nicht aus der Kirsche | |
| E102 | Tartrazin – gelber Azofarbstoff |
| E122 | Azorubin – roter Azofarbstoff |
| E133 | Brillantblau FCF |
| E150d | Zuckerkulör, gibt die dunkle Tiefe |
| Sulfite | Konservierung – bei Wein völlig üblich, deklarationspflichtig |
Gelb plus Rot plus Blau plus Zuckerkulör: Daraus mischt sich das satte Dunkelrot im Glas. Mit dem Farbstoff der Kirsche hat es nichts zu tun.
⚠️ E102 und E122 – ein Wort zu den Azofarbstoffen
Beide gehören zu jenen sechs Farbstoffen, die in der EU einen Warnhinweis auslösen: "Kann Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen". In Gummibärchen müsste dieser Satz auf der Packung stehen.
Auf dieser Flasche nicht – und das ist völlig korrekt. Die EU hat 2010 eine Ausnahme für Getränke über 1,2 % Alkohol beschlossen, mit der Begründung, dass diese ohnehin nicht für Kinder bestimmt sind. Rechtlich ist an dem Etikett also nichts auszusetzen.
💡 Warum steht das nicht vorne drauf?
Muss es nicht. Für Fruchtwein gibt es keine Pflicht zur Zutatenliste, und Getränke über 1,2 % Alkohol sind von vielen Kennzeichnungsregeln ausgenommen. Taster Wine deklariert auf dem Rückenetikett mehr, als vorgeschrieben wäre. Man muss die Flasche nur umdrehen – und Dänisch lesen können.
Macht das den Wein schlecht?
Nein. Und diese Antwort ist ernst gemeint.
Der Wein verspricht auf der Vorderseite nichts, was er nicht hält. Er heißt "Kirsebærvin, Frugtvin" – Kirschwein, Fruchtwein. Beides trifft zu. Er wird nicht mit Stevnsbær beworben, nicht mit Lolland, nicht mit Handlese. Er kostet rund vier Euro und schmeckt für vier Euro erstaunlich gut. Ein Kirschwein auf einer neutralen Fruchtweinbasis ist zudem keine Erfindung der Industrie, sondern eine alte dänische Hausmethode – auf den Höfen mischte man früher Apfelwein mit Kirschsaft und nannte es genauso.
Wissen sollte man es trotzdem. Denn "Kirsebærvin" beschreibt in Dänemark eine Geschmacksrichtung – nicht ein Herstellungsverfahren und schon gar keine Herkunft.
Wer stellt ihn eigentlich her?
Wer beim Wort "Kirschwein" an ein Gut zwischen Obstbäumen denkt, wird beim Blick aufs Etikett kurz stutzen. Hergestellt und abgefüllt wird der Kirsebærvin laut Rückenetikett von Taster Wine A/S in Kopenhagen – genauer gesagt im Gewerbegebiet Ringager in Brøndby.
Taster Wine ist kein Weingut, sondern eine Kellerei im industriellen Maßstab: über sechs Millionen Flaschen auf Lager, eigene Abfüllanlage, IFS-Zertifizierung, dazu Geschäftsfelder wie Bulk-Wein, Industrieprodukte und Private Label. Die Abfüllanlage bezeichnet das Unternehmen selbst als die modernste Nordeuropas. Im eigenen Katalog steht der Kirsebærvin unter der Rubrik Spiritus, nicht unter Wein.
⚠️ Dansk produceret – råvarer fra EU
Unten links auf dem Vorderetikett steht neben einer kleinen Dannebrog-Flagge "Dansk produceret" – und darunter, deutlich kleiner: "Råvarer fra EU". Übersetzt: in Dänemark produziert, Rohstoffe aus der EU.
Die Früchte müssen also nicht aus Dänemark stammen. "Dänischer Kirschwein" heißt hier: in Dänemark gemacht, nicht in Dänemark gewachsen.
Interessant ist, dass Taster Wine sehr wohl unterscheidet. Im selben Katalog beschreibt das Unternehmen den Kirschlikör Kijafa ausdrücklich als hergestellt aus sorgfältig ausgewählten, sonnengereiften dänischen Stevnskirschen, und den Cherry Heering als Naturprodukt aus dänischen Stevns-Kirschen. Beim eigenen Kirsebærvin fehlt jeder solche Hinweis. Das ist kein Zufall.
Damit ist auch klar: Die schöne Geschichte von der Stevnsbær, die gleich folgt, gehört zu Cherry Heering und zu Frederiksdal – nicht zu der Flasche in deinem Einkaufswagen. Beides ist Kirschwein, beides ist dänisch, aber sie teilen sich wenig mehr als den Namen.
Das ist kein Skandal, sondern schlicht die Realität hinter einem 30-Kronen-Produkt. Niemand pflückt für vier Euro die Flasche Stevnskirschen von Hand. Und ehrlich: Auf der Terrasse vom Ferienhaus hat das noch keinen Menschen gestört.
💡 Was auf dem Etikett steht – und was nicht
Steht drauf: Kirsebærvin, Dansk produceret, Råvarer fra EU, 75 cl, 14 % vol.
Steht nicht drauf: welche Früchte, woher, in welchem Verhältnis. Eine Zutatenliste ist bei Fruchtwein nicht vorgeschrieben – und es gibt auch keine.
🍒 Die Stevnsbær – die "Traube des Nordens"
Wenn es um dänischen Kirschwein geht, führt kein Weg an einer besonderen Frucht vorbei: der Stevnsbær (Stevns-Kirsche). Die Dänen nennen sie liebevoll die "Traube des Nordens", und das ist keine Übertreibung. Es handelt sich um eine kleine, fast schwarze, dickschalige Sauerkirsche, die sich vom süßen Naschkirschen-Bild in unseren Köpfen deutlich unterscheidet.
💡 Kurz vorweg
Die folgende Geschichte gehört zum Cherry Heering und zum Premium-Kirschwein von Frederiksdal. Ob in der günstigen Supermarktflasche eine Stevnsbær steckt, weiß niemand außer dem Abfüller – siehe oben. Erzählenswert ist sie trotzdem, denn ohne diese Kirsche gäbe es den dänischen Kirschwein gar nicht.
Roh essen möchte man sie eher nicht – dafür ist sie zu sauer und die Schale zu fest. Aber genau diese Eigenschaften machen sie ideal für Wein und Likör: Die dicke Schale bringt Farbe, Struktur und eine aromatische Tiefe mit, die Süßkirschen fehlt.
💡 Steckbrief Stevnsbær
Herkunft – vor allem die Insel Lolland und die Region Stevns auf Seeland
Typ – kleine, dunkle, dickschalige Sauerkirsche
Ernte – meist im August, schwer zu ernten und mit schwankenden Erträgen
Besonderheit – hohe Aromadichte durch die lange Reifezeit im milden Küstenklima
Warum gerade dort? Das Klima auf den südlichen Ostseeinseln ist für diese Kirsche fast perfekt. Das Meer reflektiert die Sonne und speichert Wärme, die Winter sind mild und kurz, und der Frühling beginnt früh. Dadurch bekommt die Frucht zwischen Blüte und Ernte eine ungewöhnlich lange Wachstumsperiode – und je länger sie reifen darf, desto intensiver wird ihr Aroma. Ein schönes Beispiel dafür, dass aromatische Kirschen nicht zwangsläufig aus dem sonnigen Süden kommen müssen.
🏛️ Von Cherry Heering bis zum Sommerhus
Die Geschichte des dänischen Kirschprodukts ist älter, als man beim Blick auf die schlichte Supermarktflasche vermuten würde. Berühmt wurde die Stevnsbær nämlich schon vor über 200 Jahren – durch einen Likör.
Cherry Heering heißt der Klassiker, den der Kaufmann Peter F. Heering ab 1818 in Kopenhagen herstellte. Der Kirschlikör wurde zum Exportschlager, belieferte europäische Königshäuser und landete später sogar in weltberühmten Cocktails wie dem Singapore Sling. Damit machte er die kleine dänische Sauerkirsche international bekannt.
💡 Likör, Wein oder Schnaps?
Die Grenze ist einfacher, als man denkt: Setzt man Kirschsaft mit Alkohol an, entsteht Likör. Lässt man Frucht oder Saft vergären, entsteht Wein. Cherry Heering fällt klar in die erste Kategorie – die Kirschen werden in Neutralalkohol mazeriert, nicht vergoren. Beim süßen Supermarkt-Kirsebærvin liegt die Sache, wie oben beschrieben, weniger eindeutig.
Lange Zeit war Kirsebærvin in Dänemark ein bodenständiges, günstiges Alltagsprodukt – ein süßer Dessertwein ohne großen Anspruch. Auf den Höfen mischte man früher schlicht Apfelwein mit Kirschsaft und nannte es Kirschwein. Während der Besatzungszeit in den 1940ern, als alles rationiert war, hatte der Fusel sogar einen eigenen Spitznamen: pullimut – dänischer Slang für Wein von zweifelhafter Qualität.
Genau diese bodenständige Rolle spielt der klassische Supermarktwein bis heute. Erst in den letzten beiden Jahrzehnten hat sich parallel dazu eine ganz andere Szene entwickelt, die den Kirschwein zum ernsthaften Qualitätsprodukt erhoben hat. Doch dazu später mehr.
😄 Warum lieben Urlauber diesen Wein so?
Ehrlich gesagt: Blind verkostet würde der einfache Kirsebærvin bei keinem Sommelier-Wettbewerb gewinnen. Seine Beliebtheit hat auch wenig mit önologischer Perfektion zu tun – und viel mit Gefühl.
Der Wein ist untrennbar mit dem Dänemark-Urlaub verknüpft. Man trinkt ihn nicht, weil er der komplexeste Tropfen der Welt ist, sondern weil er nach Ferienhaus, Dünen und langen hellen Abenden schmeckt. Ein Schluck – und der Kopf ist zurück am Strand. Diesen Nostalgie-Effekt kann kein Bordeaux ersetzen.
🏖️ Unser Tipp: Das Urlaubsgefühl konservieren
Nimm dir ein, zwei Flaschen als flüssiges Souvenir mit nach Hause und öffne sie an einem grauen Novembertag. Wenige Dinge holen das Sommerhus-Gefühl so schnell zurück wie der erste Schluck – zugegeben, mit einer ordentlichen Portion Selbstbetrug, aber der ist es wert.
Dazu kommen ganz praktische Gründe: Der Wein ist süß und zugänglich, auch für Menschen, die mit trockenem Rotwein wenig anfangen können. Der Alkohol ist kaum herauszuschmecken. Und er ist günstig – im Supermarkt liegt die Flasche meist bei wenigen Euro. Ein niedrigschwelliger Genuss, den man gerne mit nach Hause nimmt und weiterempfiehlt. So wächst die Fangemeinde von Urlaub zu Urlaub.
🍷 Aldi-Klassiker oder Weltklasse-Wein?
Hier wird es wichtig, denn beim Stichwort "dänischer Kirschwein" reden schnell zwei Leute komplett aneinander vorbei. Es gibt nämlich zwei sehr unterschiedliche Welten – und wer den einen erwartet und den anderen kauft, ist entweder enttäuscht oder überrascht vom Preis.
Auf der einen Seite steht der klassische Supermarktwein: süß, unkompliziert, günstig, ideal als Dessertwein oder zum Erinnern an den Urlaub. Das ist der Wein auf der roten Flasche, den die meisten meinen.
Auf der anderen Seite steht der Premium-Kirschwein, allen voran der von Gut Frederiksdal auf Lolland. Dort wird die Stevnsbær seit Mitte der 2000er-Jahre wie bei einem echten Rotwein verarbeitet: Maischegärung auf Kernen und Schalen, Ausbau im Eichenfass, teils nach dem Solera-Prinzip. In der Flasche steckt ausschließlich Kirsche. Das Ergebnis ist komplex, wird von Kritikern gefeiert – und spielt preislich in einer ganz anderen Liga als der Supermarktklassiker.
⚠️ Nicht verwechseln!
Wenn du im Urlaub den günstigen süßen Kirschwein liebgewonnen hast, bestell zu Hause nicht versehentlich eine teure Premium-Flasche in der Erwartung, denselben Geschmack zu bekommen. Frederiksdal führt trockene und süße Varianten – die trockenen (etwa "Reserve" oder die Einzellagenweine) sind eigenständige Essensbegleiter und schmecken null nach Urlaubsdessert. Wer dem Original nachjagt, greift eher zu den süßeren Abfüllungen. Beide haben ihre Berechtigung, nur eben zu unterschiedlichen Anlässen.
| Merkmal | Klassischer Kirsebærvin | Premium-Kirschwein |
|---|---|---|
| Geschmack | Süß, fruchtig, mild | Je nach Sorte trocken bis edelsüß, komplex |
| Anlass | Dessertwein, Urlaubsgefühl | Wie ein seriöser Rotwein zum Essen |
| Herstellung | Neutrale Fruchtweinbasis + Kirschkonzentrat | Reine Kirsche, Maischegärung, Fassreifung |
| Vergorene Frucht | Nicht die Kirsche | Die Kirsche |
| Früchte | "Råvarer fra EU" – Herkunft nicht benannt | Stevnsbær aus eigenen Plantagen auf Lolland |
| Farbe | Farbstoffe E102, E122, E133, E150d | Anthocyane der Kirsche |
| Fassreifung | Nein, Schraubverschluss | Ja, Eichenfass |
| Preis | Wenige Euro pro Flasche | Deutlich höher, Spezialitätenpreis |
| Kaufort | Supermarkt | Weingut, Fachhandel, gehobene Gastronomie |
🛒 Zum Nachbestellen für zu Hause
Falls du den Urlaubsklassiker nicht bis zum nächsten Dänemark-Trip vermissen möchtest – beide Varianten gibt es auch in Deutschland:
Süßer Kirsebærvin
Der süße Dessertwein, wie man ihn aus dem Urlaub kennt – fruchtig, mild, meist 12–14 % vol. Das Angebot wechselt je nach Händler und Jahreszeit.
Frederiksdal Kirschwein
Reine Stevnsbær-Kirsche von Lolland, im Eichenfass gereift. "Sur Lie" ist eine der zugänglicheren Abfüllungen – ein Dessertwein mit spürbarer Säure und moderater Süße.
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🍽️ So trinkst du ihn richtig
Beim Kirsebærvin kann man wenig falsch machen – er ist ein geselliger, unkomplizierter Wein. Ein paar Kleinigkeiten holen aber mehr aus ihm heraus.
Grundsätzlich gilt: gut gekühlt schmeckt der süße Kirschwein am besten. Der Hersteller empfiehlt 8 bis 10 Grad – kalt genug, dass er frisch wirkt, aber nicht eiskalt. Zimmerwarm wird die Süße schnell etwas schwer. Wie kühl genau, ist am Ende Geschmackssache; manche Händler nennen auch 12 bis 14 Grad.
🍷 Wozu passt er?
Klassisch als Aperitif zum Anstoßen oder als Dessertwein zu Schokolade, Kuchen oder Käse. Auch solo auf der Terrasse macht er sich gut – der berühmte Sundowner in den Dünen kommt nicht von ungefähr.
Der Hersteller schlägt außerdem etwas vor, auf das man nicht sofort kommt: Kirsebærvin als Drink-Mixer, etwa mit Weißwein oder einem Schaumwein aufgegossen. Klingt nach Notlösung, ergibt aber einen erstaunlich hübschen Sommerdrink.
Ein Geheimtipp für die kalte Jahreszeit: Kirsebærvin lässt sich hervorragend warm als Glühwein genießen. Einfach sanft erwärmen (nicht kochen), nach Belieben eine Zimtstange, Sternanis und eine Orangenscheibe dazu – fertig ist die dänische Antwort auf den Glühwein-Klassiker. Wer es unkompliziert mag, lässt die Gewürze weg und trinkt ihn pur erwärmt.
🍳 Kirsebærvin in der Küche
Der Wein ist nicht nur zum Trinken da. Ein Schuss davon gibt Soßen zu Wild oder Ente eine fruchtige Tiefe, und im Dessert – etwa über Vanilleeis oder in einer Rote-Grütze-Variante – spielt er seine Kirschnote schön aus.
🛒 Wo du ihn bekommst
Die gute Nachricht zuerst: Den Kirschwein zu finden, ist heute deutlich leichter als früher.
In Dänemark bekommst du den klassischen Kirsebærvin in vielen Supermärkten. Lange war er vor allem als Aldi-Klassiker bekannt, weshalb ihn viele dort zuerst entdeckt haben. Inzwischen führen ihn auch andere Ketten. Ein Blick ins Getränkeregal beim nächsten Einkauf lohnt sich also – meist steht er bei den süßen Weinen oder Spezialitäten.
💡 Wenn du echte Stevnskirsche willst: Kijafa
Es gibt einen dänischen Klassiker mit Kultstatus, bei dem die Kirsche nachweislich die Hauptrolle spielt: Kijafa. Der Vertrieb – dieselbe Firma, die auch den Supermarkt-Kirsebærvin abfüllt – beschreibt ihn ausdrücklich als hergestellt aus sorgfältig ausgewählten, sonnengereiften dänischen Stevnskirschen. Mit 16 % etwas kräftiger, mit deutlicher Marzipannote. Ob Kijafa strenggenommen Wein oder Likör ist, darüber streiten selbst die Dänen.
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💡 Direkt vom Weingut
Wer den hochwertigen Kirschwein sucht, wird bei den dänischen Weingütern fündig – viele haben einen Hofladen und bieten Verkostungen an. Gerade auf Lolland und den anderen Ostseeinseln ist das ein schöner Programmpunkt für einen Regentag im Urlaub.
In Deutschland war der Wein früher kaum zu bekommen – genau das machte ihn ja zum begehrten Mitbringsel. Mittlerweile hat die Nachfrage aber einige Online-Händler auf den Plan gerufen, die dänischen Kirschwein importieren. Die Flasche kostet dann etwas mehr als im dänischen Supermarkt, aber der Griff zum "flüssigen Urlaub" ist heute nur wenige Klicks entfernt.
⚠️ Alkohol im Reisegepäck
Dänemark und Deutschland gehören beide zur EU, deshalb darfst du Alkohol für den privaten Eigenbedarf grundsätzlich problemlos mitnehmen. Für den persönlichen Gebrauch sind die Mengen großzügig bemessen – ein paar Flaschen fürs eigene Regal sind also überhaupt kein Thema. Nur beim Weiterverkauf sieht die Sache anders aus.
✅ Kirsebærvin auf einen Blick
Das Wichtigste noch einmal kompakt zusammengefasst:
✅ Zusammengefasst
Was – süßer dänischer Fruchtwein (Frugtvin), 75 cl, 14 % vol, 110 g/l Restzucker
Hersteller – Taster Wine A/S, Abfüllbetrieb in Brøndby bei Kopenhagen
Herstellung – neutrale Fruchtweinbasis, dazu echtes Kirschkonzentrat
Zusätze – Citronensäure, Aroma, Farbstoffe E102/E122/E133/E150d, Sulfite
Herkunft – "Dansk produceret, råvarer fra EU": in Dänemark gemacht, Früchte aus der EU
Stevnsbær – die "Traube des Nordens" gehört zu Cherry Heering, Kijafa und Frederiksdal, nicht zur Supermarktflasche
Trotzdem gut – er verspricht vorne nichts, was er nicht hält, und schmeckt für vier Euro erstaunlich rund
Genuss – bei 8–10 °C als Aperitif oder Dessertwein, warm als Glühwein, oder als Drink-Mixer
Kaufen – in dänischen Supermärkten, beim Weingut oder online in Deutschland
🏁 Fazit: Ein Schluck Dänemark im Glas
Kirsebærvin ist der Beweis, dass ein Getränk nicht edel sein muss, um Menschen glücklich zu machen. Neutrale Fruchtweinbasis, Kirschkonzentrat, ein paar Farbstoffe, abgefüllt in einem Gewerbegebiet bei Kopenhagen – und trotzdem suchen ihn Urlauber Jahr für Jahr. Das ist keine Schwäche des Weins, sondern eine Stärke der Erinnerung.
Rundherum steckt mehr Geschichte, als man denkt: eine Kirsche, die man nicht essen kann, ein Likör, der es bis in die Bar des Raffles Hotel schaffte, und eine kleine Weinrevolution auf den Ostseeinseln. Nur gehört diese Geschichte eben nicht der günstigen Flasche, sondern ihren teuren Verwandten. Wer echte Stevnskirsche im Glas will, greift zu Kijafa oder Frederiksdal. Wer Urlaub im Glas will, nimmt den Klassiker – und weiß jetzt, was er trinkt.
Am schönsten schmeckt er ohnehin dort, wo man ihn entdeckt hat: auf der Terrasse vom Ferienhaus, mit Blick aufs Meer.
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