Im Nordsøen Oceanarium in Hirtshals steht der Eremitkrebs im Mittelpunkt einer aktuellen Ausstellung. Dieses kleine Krebstier hebt sich durch eine Besonderheit von anderen Meeresbewohnern ab: Während die meisten Krebse über einen harten Panzer verfügen, schützt der Eremitkrebs lediglich seinen vorderen Körperabschnitt, während der hintere, weiche Teil in einem fremden Schneckenhaus versteckt wird.
Was für Besucher überraschend sein dürfte – gerade auch für Gäste aus dem Ausland – ist die anspruchsvolle Immobilienstrategie dieser Tiere. Mit zunehmendem Wachstum benötigen Eremitkrebse immer größere Gehäuse. Doch sie begnügen sich nicht mit irgendeinem leeren Schneckenhaus: Die Krebstiere prüfen jedes potenzielle neue Heim sorgfältig, untersuchen es von allen Seiten und entscheiden mit erstaunlicher Genauigkeit, welches Haus ihren Voraussetzungen entspricht. Dieses wählerische Verhalten hat ihnen im Oceanarium den Spitznamen „bolighaj“ – dänisch für Wohnhai – eingebracht.
Gerade im Kontext der Nachhaltigkeitsdebatte ist es spannend zu beobachten, wie Tiere auf knappe Ressourcen reagieren: In den Aquarien können Besucher sehen, wie die Krebse zum Teil mehrere Wohnungen ausprobieren, teilweise auch temporär eine Angemessene „reservieren“, um sie später zu beziehen. Das Nordsøen Oceanarium nutzt solche Beobachtungen, um über die ökologische Bedeutung von Lebensräumen und Ressourcenknappheit auch im Meer zu informieren.
Für deutsche Touristen kann sich ein Besuch der nördlichsten Großstadt Dänemarks also doppelt lohnen: Neben der spektakulären Nordsee-Unterwasserwelt gibt es im Oceanarium spannende Einblicke in Verhaltensökologie – nicht nur für Kinder. Die Ausstellung ist täglich ab 10:00 Uhr geöffnet, spezielle Führungen und Vorführungen zur Lebensweise des Eremitkrebses finden regelmäßig statt.
